Nicht Coca-Cola!
Shownotes
Dicker Bauch, weißer Rauschebart, roter Mantel: Wer hat den Weihnachtsmann eigentlich erfunden? Wenn du jetzt "Coca-Cola" sagst, liegst du falsch. Das wohl berühmteste Gesicht der Welt stammt nicht aus einer Werbeagentur, sondern aus der Feder eines kleinen Jungen aus der Pfalz, der kaum Englisch sprach.
In dieser besonderen Weihnachtsfolge erzählt Funda Vanroy die unglaubliche Lebensgeschichte von Thomas Nast. Er war ein Rebell mit dem Stift, der als armer Einwanderer nach New York kam und zum gefürchtetsten Zeichner Amerikas wurde. Doch sein Santa Claus war anfangs alles andere als ein friedlicher Geschenke-Bringer.
Hör rein und erfahre, warum der erste Santa Claus "Kriegspropaganda" war und wie Thomas Nast mit einer einzigen Zeichnung den mächtigsten Gangsterboss New Yorks ("Boss Tweed") zu Fall brachte.
Eine Geschichte über Mut, die Macht von Bildern und die wahre Magie von Weihnachten. Perfekt für die Fahrt zur Familie oder die ruhigen Stunden vor der Bescherung.
Du willst das Beweisfoto sehen? Hier ist die berühmte Zeichnung "Merry Old Santa Claus" von 1881, über die wir in der Folge sprechen.
Frohe Weihnachten wünscht euch das gesamte Galileo-Team! 🌟
Transkript anzeigen
00:00:05: Es ist der vierundzwanzigste Dezember.
00:00:07: Draußen ist die Welt kalt, aber hier drinnen auf meinem Papier, da bestimme ich das Wetter.
00:00:14: Die Leute denken, ich zeichne nur Linien.
00:00:17: Schwarz auf Weiß, aber sie irren sich.
00:00:20: Ich zeichne Gefühle, ich zeichne Hoffnung.
00:00:22: Und heute Nacht, heute Nacht zeichne ich einen alten Freund.
00:00:28: Er hat einen
00:00:29: dicken Bauch, er raucht eine Pfeife und ... Er lächelt mich an, als wollte er sagen, danke, Thomas.
00:00:40: Danke, dass du mir ein Gesicht gegeben hast.
00:00:45: Hören, staulen, verstehen
00:00:48: wie
00:00:51: ein Galileo-Podcast.
00:01:01: Vielleicht schmückt er den Baum.
00:01:03: Oder vielleicht genießt ihr gerade einfach die Ruhe, bevor der Trubel losgeht.
00:01:08: Heute haben wir ein Geschenk für euch.
00:01:10: Eine wahre Geschichte, die perfekt zu diesem Abend passt.
00:01:14: Wir alle kennen das Gesicht von Weihnachten, der Mann im roten Mantel.
00:01:19: Wir denken oft, er sei eine Erfindung der Werbeindustrie.
00:01:23: Aber das stimmt nicht.
00:01:25: Sein wahrer Vater war ein kleiner Junge aus der Pfalz.
00:01:28: Ein Rebell mit einem Stift.
00:01:30: Sein Name war Thomas Nast.
00:01:36: Unsere Reise beginnt nicht am Nordpol, sondern in Landau, in der Pfalz.
00:01:42: Wir schreiben das Jahr achtzehnhundertvierzig.
00:01:46: Thomas Nast wird dort geboren.
00:01:49: Die Familie ist arm.
00:01:51: Der Vater ist Musiker in einer Militärkapelle.
00:01:54: Sie leben in einer Kaserne.
00:01:57: Um der Armut zu entfliehen, wandert die Mutter, mit den Kindern aus.
00:02:03: Der kleine Thomas ist erst sechs Jahre alt, als er in New York ankommt.
00:02:08: Und Amerika ist für ihn kein Traumland.
00:02:11: Es ist laut, es ist dreckig, es ist fremd.
00:02:16: Thomas spricht kein Englisch.
00:02:18: In der Schule versteht er nichts.
00:02:21: Er gilt als langsam, als schwierig.
00:02:24: Er ist ein Außenseiter.
00:02:27: Aber er entdeckt, dass er eine Sprache spricht.
00:02:30: die jeder versteht.
00:02:34: Sie nennen mich den kleinen
00:02:35: Deutschen.
00:02:37: Sie lachen, weil ich ihre Worte nicht kenne.
00:02:40: Aber ich
00:02:40: sehe Dinge, die Sie nicht sehen.
00:02:44: Ich sehe die Gesichter auf der Straße, die Wut der Männer, die Angst der Mütter.
00:02:50: Wenn ich einen Stift in die Hand
00:02:52: nehme,
00:02:53: bin ich nicht mehr stumm.
00:02:55: Meine Lehrer haben es gemerkt.
00:02:57: Ich soll nicht rechnen, ich soll zeichnen.
00:03:02: Und eines Tages, eines Tages wird ganz New York meine Zeichnungen verstehen.
00:03:06: Ich
00:03:07: brauche keine Wörter.
00:03:09: Thomas behält recht.
00:03:11: Er ist ein Wunderkind.
00:03:13: Mit nur fünfzehn Jahren bricht er die Schule ab und wird professioneller Illustrator.
00:03:19: Er bekommt Jobs bei Zeitungen und lernt das Handwerk von der Pieke auf.
00:03:25: Doch die Zeichnungen sind düster.
00:03:29: Ich brich der amerikanische Bürgerkrieg aus.
00:03:32: Nordstaaten gegen Südstaaten.
00:03:35: Bruder gegen Bruder.
00:03:37: Thomas Nast ist ein überzeugter Gegner der Sklaverei.
00:03:41: Er kämpft für die Union.
00:03:43: Nicht mit dem Gewehr.
00:03:45: Er ist klein und unsportlich.
00:03:47: Sondern mit seiner Feder beim Magazin Harper's Weekly.
00:03:52: Seine Bilder von der Front sind so emotional, dass Präsident Abram Lincoln später über ihn sagt.
00:03:59: Thomas Naast war unser bester Rekrutierungsoffizier.
00:04:03: Und genau hier, im dunkelsten Winter des Krieges, aus den letzten Jahren, geschieht das Weihnachtswunder.
00:04:11: Naast soll ein Bild zeichnen, das den frierenden Soldaten Mut macht.
00:04:17: Er erinnert sich an seine Kindheit in Deutschland.
00:04:20: An den Pelznickel.
00:04:24: Der Krieg ist grau, alles ist grau.
00:04:29: Die Soldaten brauchen Farbe, sie brauchen Wärme.
00:04:34: Ich schließe die Augen und denke
00:04:37: an Landau,
00:04:39: wie der Nikolaus kam.
00:04:40: Er war streng, ja, aber er brachte auch Gaben.
00:04:44: Ich mische ihn mit den Gedichten hier aus Amerika.
00:04:46: Er darf kein Bischof sein, er muss wie ein guter Onkel sein.
00:04:52: Ein dicker Bauch, in dem viel Lachenplatz hat, ein Pelzmantel gegen die Kälte.
00:04:58: Ich setze ihn mitten ins Lager der Soldaten.
00:05:01: Er bringt ihnen Socken, Pfeifen und ein Stück Heimat.
00:05:08: Das war die Geburtsstunde, Januar, eighteenhundertdreiundsechzig.
00:05:14: Thomas Nast zeichnet den ersten Santa Claus.
00:05:18: Aber dieser Santa war noch kein reiner Kinderfreund.
00:05:22: Nast war ein politischer Mensch.
00:05:25: Sein erster Santa trug einen Anzug mit den Sternen der US-Flage.
00:05:30: Und in der Hand hielt er eine Puppe mit dem Gesicht von Jefferson Davis, dem Präsidenten der Konfideration, mit einem Strick darum.
00:05:39: Der erste Santa Claus war also knallharte Kriegspropaganda.
00:05:43: Doch die Menschen verliebten sich in die Figur.
00:05:47: Nach dem Krieg wurde der Santa weicher.
00:05:50: Aber Thomas Nast wurde härter.
00:05:54: Wir sind im New York der späten eighteenhundertsechziger Jahre.
00:05:58: Thomas Nast ist jetzt der gefürchtetste Mann der Stadt.
00:06:01: Sein Gegner ist kein Generalmehr, sondern ein Politiker.
00:06:06: William Boss Tweet.
00:06:08: Tweet ist der Parte von New York.
00:06:10: Er kontrolliert alles.
00:06:12: Polizei, Richter, Wahlen.
00:06:15: Er stielt Millionen an Steuergeldern.
00:06:18: Er glaubt, er sei unantastbar.
00:06:20: Tweet sagt den berühmten Satz.
00:06:23: Es ist mir egal, was die Zeitungen schreiben.
00:06:25: Meine Wähler können nicht lesen.
00:06:28: Aber sie können diese verdammten Bilder sehen.
00:06:30: Stopp diese Bilder!
00:06:32: Boss Tweet glaubt, ihm gehört die Stadt.
00:06:35: Er schickt mir seine Boten und sie bieten mir Geld an.
00:06:38: Fünfhunderttausend Dollar.
00:06:39: Ich soll einfach aufhören zu zeichnen.
00:06:41: Ich soll nach Europa verschwinden und Kunst studieren.
00:06:44: Aber er versteht nicht, wer ich bin.
00:06:46: Ich bin kein Geschäftsmann.
00:06:48: Ich bin ein Zeichner der Wahrheit.
00:06:51: Und ich werde ihn zeichnen als das, was er ist.
00:06:55: Ein Geier, der an den Knochen der Stadt nagt.
00:06:57: Ein fetter römischer Kaiser, der den Daumen senkt.
00:07:01: Du kannst mich bedrohen, Tweet.
00:07:03: Aber meine Fieder, die kannst du nicht zerbrechen.
00:07:07: Und Nast gewinnt.
00:07:09: David gegen Goliath.
00:07:11: Seine Karikaturen setzen Tweet so sehr unter Druck, dass er angeklagt wird.
00:07:16: Tweet gelingt die Flucht aus dem Gefängnis.
00:07:19: Er setzt sich nach Spanien ab.
00:07:21: Er denkt, er ist sicher.
00:07:23: Aber jetzt kommt die Ironie des Schicksals.
00:07:26: Boss Tweet wird in Spanien verhaftet.
00:07:29: Nicht, weil die spanische Polizei ein Fahndungsfoto hatte, sondern weil ein spanischer Beamter ihn erkannte.
00:07:36: Aus einer Karikatur von Thomas Nast.
00:07:40: Ein einziger Zeichner hatte den mächtigsten Gangster New Yorks zu Fall gebracht.
00:07:46: Thomas Nast war auf dem Gipfel seiner Macht.
00:07:49: Er erfand in dieser Zeit Symbole, die wir heute noch kennen.
00:07:53: Den Elefanten für die Republikaner.
00:07:56: Den Esel für die Demokraten.
00:07:59: Aber jedes Jahr, wenn es auf Weihnachten zuging, legte er das politische Schwert beiseite.
00:08:05: Über dreißig Jahre lang verfeinerte er das Bild von Santa Claus.
00:08:10: Er war es der Entschied.
00:08:11: Santa braucht eine Werkstatt.
00:08:14: Er braucht Elfen, die ihm helfen.
00:08:16: Er braucht ein Buch, in dem steht, wer brav war und wer nicht.
00:08:21: Und Nasd legte fest, dieser Mann ist so weltumspannend.
00:08:26: Er kann keinem Land gehören.
00:08:28: Er muss am Nordpol wohnen.
00:08:33: Er muss rund sein, wie ein Apfel, unfröhlich.
00:08:36: Die Kinder sollen keine Angst mehr vor ihm haben.
00:08:40: In der Nacht habe ich ihn endlich so getroffen, wie ich ihn immer vor mir sah.
00:08:48: Den sagst so voll, dass er fast platzt.
00:08:51: Die Wangen rot vom Winterwind.
00:08:53: Und das ist er.
00:08:55: Das ist mein Geschenk an Amerika.
00:09:00: Das Bild von eighteenhundertundachtzig ist sein Meisterwerk.
00:09:05: Mary Old Santa Claus erschien am ersten Januar in Harper's Weekly.
00:09:10: Wenn ihr heute an den Weihnachtsmann denkt, denkt ihr an genau diese Zeichnung.
00:09:16: Doch das Leben von Thomas Nasd hatte kein Happy End wie in seinen Weihnachtsgeschichten.
00:09:21: Gegen Ende des Jahrhunderts änderte sich der Geschmack der Leute.
00:09:25: Nasd's Stil war nicht mehr gefragt.
00:09:28: Er verlor sein Vermögen durch einen Bankbetrug.
00:09:31: Der Mann, der Präsidenten gemacht und Gangster gestürzt hatte, war fast pleite.
00:09:36: In die Mitte des Jahrhunderts nahm er einen Job als Generalkonsul in Ecuador an.
00:09:42: Er musste seine Familie ernähren.
00:09:45: Dort, weit weg von Schnee und Weihnachten, half er bei einer Gelbfieberepidemie und steckte sich selbst an.
00:09:53: Thomas Naast, starb am siebten Dezember, twohneinzehnhundertzwei.
00:10:04: Es ist
00:10:04: seltsam.
00:10:05: Ich habe so viele Schlachten geschlagen.
00:10:07: Ich habe gegen Korruption gekämpft, für Lincoln, für die Freiheit.
00:10:12: Aber
00:10:13: am Ende
00:10:14: erinnern sie sich nicht
00:10:15: an den Hass.
00:10:17: Sie erinnern sich an ihn, den alten Mann mit dem Sack voller
00:10:21: Spielzeug.
00:10:22: Vielleicht ist das mein bares Erbe, das in der dunkelsten Nacht des Jahres irgendwo und ein Lächeln wartet.
00:10:34: Ich bin Thomas Nast, der Junge aus Landau.
00:10:38: Und ich wünsche euch allen frohe Weihnachten.
00:10:43: Thomas Nast stopp in der Fremde.
00:10:46: Aber er hat uns etwas Unsterbliches hinterlassen.
00:10:49: Wenn ihr heute Abend die Geschenke unter dem Baum seht oder wenn ihr gleich einen Schoko Weihnachtsmann auspackt, dann ist das auch ein kleiner Groß von Thomas Nast.
00:10:58: Wir haben euch sein berühmtestes Bild, den Merry Old Santa Claus, in die Show Notes gepackt.
00:11:05: Schaut es euch an, es ist faszinierend.
00:11:08: Das war unsere Weihnachtsgeschichte im Galileo-Podcast.
00:11:12: Ich bin von der Van Roy.
00:11:14: Das gesamte Galileo Team und ich wünschen euch und euren Familien ein wunderschönes, friedliches Fest.
00:11:20: Macht's es gut und bleibt allen Dingen voran gesund.
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