Inside GSG9
Shownotes
Die GSG 9: Deutschlands legendärste Spezialeinheit. Wenn es um Terroranschläge, Geiselnahmen oder Schwerverbrechen geht, gilt ihr Motto: „Nach uns kommt erst mal nichts“. Doch wer sind diese Elitesoldaten, deren Gesichter niemand kennt und deren Leben streng geheim sind?
Stefan Gödde trifft Bob, einen Ausbilder der Truppe, der nur mit Sturmhaube und Decknamen spricht.
Er enthüllt die knallharte Realität hinter dem Mythos:
Welche harmlose Lüge Bob seinem Umfeld auftischt, um seinen Job geheim zu halten – und warum er selbst seinen Eltern erst nach Abschluss der Ausbildung davon erzählt hat.
Das gnadenlose 7-Tage-Auswahlverfahren der GSG 9: Erfahrt, wie die Bewerber täglich wie in einer Castingshow aussortiert werden und warum sie am Ende durch den Schlamm robben müssen.
Die überraschende 70/30-Regel: Warum im Einsatz die kognitive Leistungsfähigkeit (Denken, Konzentration) am Ende wichtiger ist als reine Muskelkraft.
Der psychologische Werkzeugkoffer: Wie GSG 9-Beamte mit Leichen, Blut und extremen Belastungen umgehen, um auch nach dem Einsatz noch zu funktionieren.
Die ungeschminkte Wahrheit über die härteste Spezialeinheit Deutschlands.
LINK zu den Galileo-Filmen: Linkbeschreibung
Transkript anzeigen
00:00:03: Mogadishu, Somalia.
00:00:05: Wie Nacht zum achtzenden Oktober, nineteenhundertsiebundsiebzig.
00:00:10: Schwer und warm steht die Luft über dem Rollfeld.
00:00:14: Fünf Tage lang hat die Welt auf diesen Moment gewartet.
00:00:17: Fünf Tage, in denen sechsohnachzig Passagiere und Crewmitglieder der Lufthansa-Maschine Landshut festgehalten wurden.
00:00:24: Von vier Entführern, die die Freilassung in haftierter RAF-Mitglieder erzwingen wollen.
00:00:30: Jetzt,
00:00:31: in der
00:00:31: Schwärze dieser Nacht, bleibt die Linie der Bundesregierung
00:00:34: hart.
00:00:35: Kein Nachgeben.
00:00:37: Etwa drei Dutzend GSG-neuen Beamte mit
00:00:40: somalischer Unterstützung
00:00:41: haben in geringer Distanz zum Flugzeug
00:00:43: Stellung
00:00:44: bezogen, verborgen in der Dunkelheit.
00:00:48: Die letzte Minute des Wartens bricht an.
00:00:51: Der Befehl ist erteilt.
00:00:52: Die Männer der GSG-neuen setzen ihre Masken auf.
00:00:56: Ein letzter tiefer Atemzug.
00:01:00: Dann stille.
00:01:02: Schritte.
00:01:03: Und schließlich die Explosion der Bledkaraten.
00:01:08: Die Männer
00:01:08: der GSG-IX stürmen das Flugzeug.
00:01:11: In wenigen Minuten befreien sie alle sechsen-achtzig Geiseln.
00:01:16: Dieser Einsatz geht in die Geschichte ein und macht die GSG-IX zur Legende.
00:01:31: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge.
00:01:33: Heute tauchen wir ein in die Welt der wohl legendärsten Spezialeinheit Deutschlands, der GSG-Neun.
00:01:40: Eine Truppe, die immer dann gerufen wird, wenn es richtig brenzlig wird.
00:01:44: Terroranschläge, Geiselnamen, Schwerverbrechen, ihr Motto lautet nach uns kommt erst mal nichts.
00:01:51: Ich bin Stefan Goethe und freue mich wirklich sehr, heute einen ganz besonderen Gast zu haben.
00:01:55: Bob, er war viele Jahre lang selbst Einsatzbeamter bei der GSG-Neuen und ist dort heute als Ausbilder tätig.
00:02:02: Bob, ich grüße dich einen schönen guten Tag.
00:02:04: Hallo Stefan, wie bist du zur GSG-Neuen gekommen?
00:02:08: Kannst du dich an den Moment erinnern, an dem du gesagt hast, zu dieser Truppe muss ich unbedingt hin.
00:02:15: Mein Werdegang bei der GSG-Neuen ist jetzt vielleicht nicht so ganz so als Kindheitstraum zu definieren.
00:02:21: Ich bin da mehr oder weniger durch Gespräche mit Kollegen auf die GSG-Neuen gekommen.
00:02:26: Die war für mich viel zu weit weg.
00:02:28: und habe dann erfahren, überhaupt mit was ich die GSG-Neuen befasst und habe dann durch Zufall tatsächlich einen aktiven GSG-Neuenbeamten getroffen und der mich dann auch Ansprache und sagte, hey, Bob, probier das doch mal, das wäre doch was für dich.
00:02:45: Und da war bei mir dann so ein bisschen der Ereigniz geweckt.
00:02:47: und dann habe ich erfahren, dass ein paar Kollegen von mir sich auch beworben haben.
00:02:51: und zusammen bereitet sich immer leichter vor.
00:02:54: und dann haben wir uns dann diesem Auswahlverfahren gestellt.
00:02:57: Wie trifft man denn per Zufall einen GSG-Neunbeamten?
00:03:00: Für alle, die uns gerade im Podcast hören.
00:03:03: Ihr seht uns natürlich nicht, aber ich kann euch Bob beschreiben.
00:03:05: Er trägt gerade eine Sturmhaube für alle, die uns sehen.
00:03:08: Ihr seht, man sieht seinen Gesicht nicht.
00:03:10: Und so viel kann ich verraten.
00:03:11: Bob ist nicht dein echter Name.
00:03:15: Es ist dein Einsatzname, so nennt ihr das, glaube ich.
00:03:17: Wie viel weiß eigentlich dein Umfeld von dem, was du tust?
00:03:22: Also wir versuchen das natürlich möglichst gering zu halten, wir gehen damit nicht hausieren, also wir verteilen keine Visitenkartenbild umher oder im Abendgespräch mit Freunden oder Bekannten schneidet man das Thema nicht an.
00:03:35: Gleichwohl sind natürlich Lebenspartner, Lebenspartnerinnen, die Eltern, die wissen das natürlich, aber da hört es dann auch schon auf.
00:03:43: und ansonsten versucht man es so neutral wie möglich zu halten, wenn es um das Thema Beruf geht.
00:03:48: Was sagst du denn, wenn dich jemand fragt, was du beruflich machst?
00:03:51: Also ich sage schon, dass ich bei der Bundespolizei bin, weil das ist ein Feld, auf dem ich mich halt recht gut auskenne und dann versuche ich es halt möglichst sachlich zu beschreiben im Bereich der Sachbearbeiter-Ebene in der Verwaltung.
00:04:04: Naturgemäß erübrigen sich dann weitere Fragen.
00:04:07: Weil es eigentlich so langweilig klingt, aber dein Job sehr aufregend ist, denn die GSG-Neuen ist ein absoluter Mythos.
00:04:13: Wie wird man denn überhaupt Teil dieser Truppe?
00:04:16: Die Anforderungen, die sind ja wirklich enorm.
00:04:18: Oder was muss man alles mitbringen?
00:04:20: Wie kann man sich dann überhaupt bewerben?
00:04:22: Zunächst muss man ... ausgebildeter Polizeibeamter sein oder Beamtin.
00:04:27: Das Geschlecht spielt bei uns keine Rolle.
00:04:29: Das kann über die Bundespolizei direkt sein.
00:04:32: Das kann über die Landespolizei sein oder über das Bundeskriminalamt.
00:04:35: Und dann sollte man natürlich schon über eine gewisse physische Leistungsfähigkeit verfügen.
00:04:40: Die Anforderungen, die es dort zu erfüllen, gibt in verschiedenen Bereichen.
00:04:44: Wir unterteilen die Auswahlverfahren bei uns in die Einsatzeinheiten, also die FPV bei uns abgekürzt für besondere Verwendung.
00:04:52: Und dann gibt es Abstufungen mit Spezialausbildung und Einsatzunterstützung.
00:04:56: Die Auswahlverfahren sehen alle unterschiedlich aus und die Anforderungen dementsprechend, die sie dort erfüllen müssen, auch.
00:05:03: Und das Komplex ist natürlich als Einsatzbeamter.
00:05:07: Dauert eine Woche bei uns und dort wird sehr viel Wert auf die physische Leistungsfähigkeit gelegt.
00:05:12: Über allem steht aber auch die kognitive Leistungsfähigkeit.
00:05:15: Das heißt, wie bin ich denn im Stande, meine mir zu verfügen stehenden Ressourcen auch zielführend einzubringen und einzubringen?
00:05:22: heißt, wie kann ich möglichst effektiv zum Einsatz Erfolg beitragen.
00:05:27: Du hast jetzt wahnsinnig viel angesprochen, das müssen wir ein bisschen auseinander nehmen.
00:05:30: Also es gibt es gibt verschiedene Spezialgebiete, wenn ich das richtig verstanden habe.
00:05:33: Also nicht jeder macht bei der GSG.
00:05:35: dasselbe.
00:05:36: Es gibt Spezialisten, Spezialistinnen.
00:05:40: Aber das Auswahlverfahren, lass uns da noch mal zurückkommen.
00:05:42: Du hast gesagt, es gibt dieses eine Auswahlverfahren, wo erst einmal überhaupt klar ist, ist der oder ist die überhaupt geeignet?
00:05:50: Wie ist das?
00:05:51: Also muss man da durch den Schlammen robben, wie sieht so ein Auswahlverfahren aus?
00:05:55: Dieses Auswahlverfahren für die Einsatzeinheiten, du sprichst es an, tatsächlich ist es auch durch den Schlammverformen mal, aber das auch erst zum Schluss des Auswahlverfahrens.
00:06:06: Bis wir da sind, werden ganz viele Tests im Bereich der kognitiven Leistungsfähigkeit gestellt.
00:06:12: Das heißt, es werden verschiedene Intelligenztests gemacht.
00:06:15: Es werden rommliches Vorstellungsvermögen, Schießübungen werden gemacht, Reaktionsfähigkeit, Geschicklichkeitsbakure absolviert.
00:06:23: Klassische Zubringerleistungen der physischen Art werden abgeprüft.
00:06:26: Bis es dann am Ende, du hast es gesagt, ein Robben im Schlamm ist, ist Teil des abschließenden Belastungslaufes bei uns worden.
00:06:34: den Leuten wirklich alles abverlangt wird.
00:06:36: Das heißt, die arbeiten im hochroten Leistungsbereich in diesem Lauf, um dort halt größtmöglichen Stress ausgesetzt zu sein.
00:06:45: und da testen wir von den Probanden oder von den Bewerbern.
00:06:50: Wie können sie dann immer noch umschalten quasi zwischen körperlicher Leistungsfähigkeit und jetzt muss ich mich wieder konzentrieren und dort Leistung bringen.
00:06:57: Das klingt für mich ein bisschen so wie ein Auswahlverfahren zu einem Flugkapitän, wo man denkt, okay, die müssen wirklich in extremen Situationen extrem scharf ihren Geist benutzen können und wirklich ultra Stressresistenz sein.
00:07:12: Und gleichzeitig, wenn ich das rausgehört habe, ist bei euch sozusagen beides gefordert.
00:07:16: Also ihr müsst nicht nur extrem scharf denken können in Stresssituationen, sondern auch noch gleichzeitig körperlich extremen Anforderungen standhalten.
00:07:25: Du hast das ja alles selbst durchgemacht.
00:07:27: Kannst du mal von deinem Auswahlverfahren, als du dabei warst, berichten, wie anstrengend, wie herausfordern, dass für dich persönlich war?
00:07:33: Gut,
00:07:33: je länger es her ist, desto überschaubarer wird es erfahrungsgemäß.
00:07:38: Im Gespräch natürlich mit neuen Auszubildungen.
00:07:41: bei uns war mein ERV das härteste aller Zeiten.
00:07:44: Klar, aber Scherz beiseite des... Also das, was ich noch sehr lebhaft vor Augen habe und immer wieder, weil ich jetzt durch meine Tätigkeits- als Ausbilder dort auch immer wieder mit konfrontiert werde, ist, wenn am Sonntag die Anreise ist, diese Angespanntheit, was kommt auf einen zu?
00:08:01: Man weiß grob den Ablauf.
00:08:02: Wir sind da sehr transparent im Ausfallverfahren, auch damals schon.
00:08:06: Aber du weißt halt nicht, wo stehe ich denn jetzt hier?
00:08:08: Reicht das, was ich hier bringe an Leistung, wenn ich am Dienstag schon wieder nach Hause geschickt?
00:08:14: Und dann aber so jeden Tag wieder dann doch bald dabei zu sein, während sich andere verabschieden mussten.
00:08:20: Das freut einen natürlich persönlich, tut einen Leid für die anderen, die dann wieder abreisen müssen.
00:08:25: Aber so arbeitet man sich eigentlich generell da Stück für Stück vorwärts.
00:08:28: Und natürlich dann, wenn man das alles geschafft hat am Freitag, ist das schon ein sehr, sehr gutes Gefühl.
00:08:36: Es ist einem dann aber auch klar, dass das lediglich der erste Schritt war.
00:08:39: Das heißt, es ist tatsächlich eine Woche, wo dann Wie bei so einer Castingshow stelle ich mir das vor, wo tatsächlich Leute dann auch wirklich ausschreiten, nach Hause fahren müssen und die, die weiterkommen, sind hart genug für euren Job.
00:08:52: Genau.
00:08:53: Also wir selektieren da sehr konsequent.
00:08:56: Das macht es aber auch fair für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen.
00:09:00: Wir sitzen uns jeden Abend eines Aus- oder Auswahlverfahrenstages hin und werden die erzielten Ergebnisse jedes einzelnen aus und entscheiden, ob die Leistungen reichen oder nicht.
00:09:10: Da haben wir ganz klare Kriterien.
00:09:12: Und bei den Kandidaten, wo es dann halt nicht reicht, von denen trennen wir uns dann am Folgetag und so dünnt sich das Feld im Laufe der Woche immer mehr aus.
00:09:20: Du bist jetzt schon ein bisschen länger mit dabei, auch in der Ausbildung.
00:09:24: Hast du, sozusagen, hat man einen siebten Sinn oder einen Riecher bekommen, wenn du Menschen ganz zu Anfang siehst, am Anfang der Woche?
00:09:31: Und du siehst schon, okay, du auf gar keinen Fall und du vielleicht, hat man irgendwie einen Riecher?
00:09:36: Das bildet sich so ein bisschen heraus, alleine an der Masse der Leute, die im Laufe der Jahre, seit ich das mache, entwickelt man eine gewisse Nase für.
00:09:47: Aber es gibt auch Überraschungen.
00:09:48: Es gibt welche, die reisen zum Auswahlverfahren an, wo ich mir sehr sicher bin in Einzelfällen, die überleben den ersten Tag nicht.
00:09:57: Aber die entwickeln sich dann in dieser Drucksituation.
00:09:59: Was eigentlich dann Leute sind am Ende für uns in der Ausbildung, in der Einheit, die ... diesen Druck beherrschen können.
00:10:06: Und das ist eigentlich immer eine schöne Überraschung, sagen wir mal so.
00:10:09: Die gibt es, aber grundsätzlich kann man das schon so grob voselektieren, wie angespannt die Leute dann halt sind, wenn sie anreisen.
00:10:17: Du hast eben davon gesprochen, dass... Kognition ein großer, ein wichtiger Teil für euch ist, also wie schnell man denken kann oder wie flexibel man denken kann und gleichzeitig auch das körperliche.
00:10:27: Kannst du würdest du sagen, das kann man irgendwie prozentual sagen, es ist für den Einsatz wichtiger, dass man wirklich durchhält und eine gute körperliche Konstitution hat und einfach nicht zusammenklappt.
00:10:38: Also kann man das sagen, was ist eigentlich wichtiger?
00:10:41: Ja, Herausforderung als GSG-Neunbeamter ist im Einsatz in den Einsatzeinheiten.
00:10:46: Wir haben immer nur... eine grobe Vorstellung von dem, was in einem Einsatz auf uns zukommt.
00:10:51: Was aber für uns dann im Umkehrschluss heißt, wir müssen auf alles vorbereitet sein.
00:10:54: Wir haben natürlich einen Auftrag, einen Einsatzziel.
00:10:58: Im Optimalfall überwiegt quasi die kognitive Leistungsfähigkeit.
00:11:02: Also mein bedachtes Behandel, mein intelligentes Vorgehen, mein Konzentrationsfähigkeit, in der Regel siebzig, dreißig.
00:11:11: Wir müssten aber körperlich in der Lage sein, wenn Planabweichen der Verlauf ist, unter Umständen zu improvisieren.
00:11:17: Das erzeugt Stress, das geht auf den Körper.
00:11:19: Sie haben ja auch schwere Schutzausrüstung an unter Umständen, das belastet den Körper.
00:11:24: Das heißt, dieser Faktor Körper darf kein einsatzlimitierender Faktor sein.
00:11:30: Das heißt, da gilt es dann schon, in Einzelfällen dann die physische Leistungsfähigkeit abrufen zu können.
00:11:37: In der Regel überwiegt deutlich die kognitive Leistungsfähigkeit.
00:11:40: Wie muss man sich diese Auswahlwoche bei euch vorstellen?
00:11:44: Was ganz konkret wird da gefordert von den Bewerberinnen und Bewerbern?
00:11:48: Also Rucksack auf, wie schwer ist der?
00:11:51: Wie lange müssen die marschieren?
00:11:52: Was müssen sie machen?
00:11:53: Das Auswahlverfahren findet bei uns hier in St.
00:11:55: Augustin statt, das Einwöchige.
00:11:58: Dort sind sie dann auch bei uns untergebracht in den Unterkunftsgebäuden.
00:12:02: Und dort machen wir dann nach einem festen Ablauf zunächst Sporttest.
00:12:06: Das heißt, es geht über Sprintleistungen, Kraftleistungen, Koalitionsleistungen.
00:12:11: Beispielhaft erwähnt der KUPA-Test.
00:12:13: Also ein bekanntes Testsystem, ein zwölf Minuten Lauf.
00:12:16: Und da muss man halt so viel laufen, wie es geht in den zwölf Minuten, also Minimum dreitausend Meter bei uns.
00:12:23: Dann kommt noch ein Höhentest dazu.
00:12:25: Das wird bei uns auf der Hindernisbahn durchgeführt.
00:12:28: Um festzustellen, haben die Leute dort irgendwelche Defizite, weil wir natürlich auch durchklettern.
00:12:35: Wir fliegen mit den Hubschraubern, wir seilen uns irgendwo ab.
00:12:37: Da muss man eine gewisse Höhentauglichkeit haben, ist die nicht vorhanden, ist das auch ein Ausschlusskriterium.
00:12:43: Am ersten Tag überwiegt aber ganz klar der schriftliche Teil, wo wir eben die angesprochenen Fähigkeiten im kognitiven Bereich testen wollen, den unterschiedlichen Testverfahren.
00:12:53: Und so zieht sich dann die ganze Woche durch.
00:12:56: Machen wir dann am Dienstag bis Mittwoch Schießtests, machen Hindernisbahnen, Pakure, Geschicklichkeitspakure, Reaktionstests, mit dem abschließenden Belastungslauf noch dabei.
00:13:07: Und dann gibt es noch ein Interview mit verschiedenen Psychologen.
00:13:12: in Beiseien von Einsatzeinheitsangehörigen oder durch uns, weil wir halt feststellen wollen, was ist das für ein Mensch, der sich jetzt bei uns bewirbt, weil wir können nicht mit den Ego-Shootern, können wir nicht arbeiten, wir definieren uns unsere Stärke, unsere Tieffähigkeit, unsere Kameradschaft, das macht uns aus, das Mitdenken auch für andere und da versuchen wir so ein bisschen den Leuten auf die Zahn zu fühlen.
00:13:35: Das klingt nach einem wirklich, ich könnte mir kein härteres Auswahlverfahren vorstellen, weil sonst geht es wahrscheinlich, also wenn du dich bei der Uni bewirbst oder was, musst du schlau sein, Körper egal, andersrum, wenn du Sportler wirst, brauchst du gute Buskel, aber Geist egal, bei euch braucht man alles.
00:13:52: Kannst du dich noch erinnern, als du damals durchgekommen bist, bis zum Schluss und dir gesagt wurde, du bist dabei.
00:13:58: Was ist das für ein Gefühl?
00:13:59: Ich saß etwas überrascht dann im Kommissionsraum, wo dann die Ergebnisse verkündet werden.
00:14:06: Und dann sagte mir der GSG-neuen Vorsitzende dort, dieser Kommission, ja, dann sehen wir uns am, ich weiß gar nicht mehr, wann es war, Anfang Oktober.
00:14:15: Und ich habe das gar nicht wahrgenommen.
00:14:16: Ich dachte mir, okay, der erzählt jetzt irgendwas, dass ich wiederkommen soll oder sonst irgendwas.
00:14:20: Und ich saß da und er sagte, ja, wir sehen uns am Anfang, wir sind hier durch.
00:14:23: Und dann ist es mir erst so langsam durchgesickern, dann bin ich raus und das weiß ich auch noch, da habe ich direkt dann meine damalige Freundin angerufen und habe gesagt, du, die haben mich tatsächlich genommen.
00:14:35: Und da war ich etwas überrascht, habe mich natürlich wahnsinnig gefreut.
00:14:40: Und dann ging es aber auch relativ zügig dann auch los mit der Ausbildungseinheit, sodass ich da wenig Zeit hatte, noch darüber nachzudenken, was jetzt auf mich zukommt, sondern nicht, wenn ich einfach in diesem Rhythmus geblieben bin.
00:14:51: Du hast dich gefreut.
00:14:53: Was haben deine Eltern gesagt?
00:14:54: Weil das ist ja schon ein Job.
00:14:56: Das ist jetzt kein Job wie jeder andere.
00:14:57: Da kann es auch tatsächlich um alles geht.
00:14:59: Kann man auch sein Leben verlieren.
00:15:02: Ja, tatsächlich habe ich meinen Eltern zunächst erstmal nichts gesagt, weil ich erstmal abwarten wollte, wie die Ausbildung läuft, weil ich es für nicht erstrebenswert halte.
00:15:13: wenn man das, wenn ich das jetzt meinen Eltern erzählt hätte und ich wäre in der Ausbildung dann aus welchen Gründen auch immer abgelöst worden.
00:15:19: Und dann hätte man den Eltern dann schon irgendwie erzählt, ja hier GSG neun
00:15:24: etc.,
00:15:25: sodass ich mich für diesen Weg entschieden habe.
00:15:27: Ich habe erstmal die Ausbildung dann beendet und dann habe ich den das dann schon mitgeteilt.
00:15:33: Ja, ich glaube meine Mutter war eher etwas distanziert.
00:15:37: Mein Vater fand das super.
00:15:39: So war die Aufteilung.
00:15:41: Ja, es ist dann natürlich schon ein gewisser Stolz dabei und ist dann aber auch immer damit verbunden, dass man ihn immer wieder einbläuen muss, dass nicht den Nachbarn zu erzählen.
00:15:51: Das ist auch so ein Projekt.
00:15:53: Die Ausbildung dauert, ich glaube, zwölf Monate kann das sein.
00:15:56: Genau.
00:15:57: Und danach, und das hast du eben schon mal angesprochen, gibt es spezifische Bereiche.
00:16:01: Also es macht nicht jeder dasselbe.
00:16:03: Es gibt bei euch was... Falsche im Springer, glaube ich, Motorradfahrer, Präzisionsschützen, Taucher und so weiter und so fort.
00:16:10: Es gibt ganz verschiedene spezielle Bereiche.
00:16:13: Wann wird entschieden, was man wird?
00:16:17: Grundsätzlich können das die Azubis, also die Ausbildungseinheit, jeder einzelne selber entscheiden, wo er denn dann nach der AI als seiner Erstverwendung tätig sein möchte.
00:16:27: Das geht deshalb, weil wir in jeder Einheit Personalbedarf haben.
00:16:32: Das heißt, in den seltensten Fällen meldet man eine Einsatzeinheit, wir brauchen jetzt keine Leute mehr.
00:16:38: Das ist fast nie der Fall, sodass da eigentlich eine freie Wahl besteht.
00:16:43: Das heißt dann aber auch nicht, dass die Leute sich dann festgeschrieben haben für diese eine Einheit.
00:16:47: Wenn im Laufe der Jahre das Interessenfeld sich ändert, dann können man natürlich dann auch die Einsatzeinheiten wechseln.
00:16:53: Und das Zusammenspiel von diesen verschiedenen Einheiten ist wahrscheinlich auch das Geheimnis eures Erfolges.
00:16:57: Wie wichtig, würdest du sagen, ist diese Kooperationsbereitschaft, die man mitbringen muss und diese Kooperation unter den einzelnen Menschen bei der GSG?
00:17:05: neun?
00:17:06: Ja, elementar wichtig.
00:17:08: Das ist ja, wie gesagt, unsere Stärke, unser Teamgedanke.
00:17:13: Das Denken für ein Ziel und jeder kennt da seine Rolle.
00:17:17: Wir sind alle nur kleine Rädchen in diesem Gesamtkonstrukt.
00:17:21: Das wird oftmals nicht so deutlich, weil wir viele Einsätze fahren, die wir maximal in einem Einheitsrahmen fahren, also in einer Einsatz-Einheitsstärke.
00:17:29: Es gab natürlich auch, also jetzt in meiner aktiven Zeit gibt es dann verschiedene Einsätze im Ausland, wo der gesamte Verband tätig ist.
00:17:36: Und das ist tatsächlich, sind das Dinge, an die ich mich auch sehr gerne zurück erinnere, weil das ist genau, wie du sagst, so dieses, da merkt man halt, egal, ob das jetzt Präzisionsschütze ist, ein falsches Springermotor, egal.
00:17:48: Da wird zusammengearbeitet.
00:17:51: Manche Leute, die siehst du so mal, sonst im normalen Alltag.
00:17:55: über den Flur laufen und auf einmal stehst du neben dem im Hubschrauber, musst dich abseilen, gehst taktisch vor und das funktioniert alles und alles denkt in eine Richtung.
00:18:03: Das ist also vom Arbeiten her absoluter Luxus und Privileg auch das tun zu dürfen mit den Leuten, mit denen man da zusammen ist, weil das eine so verschworene Gemeinschaft ist und man merkt halt, da geht alles nur in eine Richtung und das ist schon sehr, sehr erstrebenswert.
00:18:22: Würdest du dann auch sagen, dass jeder Job sozusagen auch gleichwertig bei der GSG-Neun ist?
00:18:27: Oder gibt es intern bei euch auch so Rankings?
00:18:30: Gibt es den einen Deluxe Job, den ich auch nicht jeder bekommt bei der GSG-Neun?
00:18:35: Ja gut, Kommandeur kann nur einer werden, aber die Frage ist, ob das will.
00:18:40: Nein, grundsätzlich, also erst mal, es gibt natürlich zwischen den Einheiten, Spezialisierung gibt es immer so gewisse Frotzeleien, aber auf sehr spielerische und scherzhafte Art.
00:18:50: Das zeichnet uns aber auch aus als Verband, dass wir, auch wenn es dann ein bisschen Zeit und Freiraum ist, uns auch so ein bisschen gegenseitig hochnehmen.
00:18:58: Grundsätzlich muss man sagen, hier in der GSG-Neuen, ob sie jetzt in der Verwaltung tätig sind oder in dem Einsatzeinheitenbereich oder KFUV oder jeder hat seinen Auftrag und funktioniert dieses eine Rädchen nicht, dann können die Einsatzeinheiten auch nicht arbeiten.
00:19:13: Also hier kennt auch jeder seinen Auftrag und dementsprechend werden auch alle gleichwertig angesehen.
00:19:18: Da gibt es keinerlei Abstufen.
00:19:20: Du hast eben am Anfang gesagt, Geschlechter spielen bei euch keine Rolle.
00:19:24: Das heißt Frauen sind genauso gerne gesehen wie Männer.
00:19:27: An der Front allerdings sieht man vermutlich mehr Männer als Frauen, oder?
00:19:32: Ja, also in den Einsatzeinheiten haben wir ausschließlich Männer.
00:19:35: Das ist aber nicht von uns gewollt.
00:19:37: Das ergibt sich so.
00:19:40: Wir haben natürlich die Bewerbungsvoraussetzungen für uns, sind geschlechtsneutral.
00:19:46: Das heißt, wenn die Leistungen gebracht werden, egal von wem, dann sind sie erst mal mit dabei.
00:19:51: In den Unterstützer-Bereichen, da wo das Auswahlverfahren dann so ein bisschen angepasster ist, da haben wir natürlich auch aktive Mädels, die auch einen sehr, sehr guten Job machen.
00:20:01: rückt ja aus, wenn andere einhalten, das muss man so ehrlich sagen an ihre Grenzen stoßen, aber wie läuft so ein Einsatz eigentlich ganz konkret ab?
00:20:08: Also vom Alarm bis zum Zugriff, wie kann man eigentlich das unplanbare planen?
00:20:15: Das ist genau der Punkt, weshalb wir auch die Leute testen, wie wir sie testen, für das unvorgesehene Vorbereitet zu sein, nicht in Panik zu geraten, sondern sich auf Dinge zu berufen, die man trainiert hat.
00:20:26: Wir trainieren sehr, sehr intensiv.
00:20:29: Dann muss man sagen, im Falle einer Alarmierung muss man unterscheiden, ist es eine sogenannte Sofortlage, ist es eine Zeitlage.
00:20:35: Sofortlagen erwarten natürlich eine viel höhere Dynamik als sogenannte Zeitlagen, wo es einen bestimmten Termin gibt, wo man sagt, hier, pass auf, jetzt mal platt gesagt, hier GSG neun, dann und dann müssen wir die und die Personen festnehmen, dann ist das Ermittlungsverfahren soweit durch.
00:20:51: Bei dynamischen Lagen, ich erinnere jetzt mal an den Lkw-Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin, schon wieder ein bisschen länger her, zu sechzehn oder verschiedene Armokläufe in Halle oder in Magdeburg.
00:21:02: jetzt, war es letztes Jahr, glaube ich, mit dem Kraftfahrzeugführer, der da auch in den Weihnachtsmarkt gefahren ist.
00:21:07: Das sind Lagen, die kann man nicht vorbereiten.
00:21:11: Dort kriegt man quasi eine Alarmierung, dann kommt man hier in den Standort.
00:21:15: In der Regel weiß man aber dann schon, weil das sind dann Sachen, die sind dann auch schon in den Medien präsent.
00:21:20: Das war damals mit Bataclan genauso.
00:21:25: Und dann kommen sie hier rein und dann wird im Prinzip nur noch verteilt entweder auf die Fahrzeuge, die stehen aber vorher schon fest oder auf die Hubschrauber.
00:21:34: Dann wird erstmal das für den ersten Angriff, heißt das so bei uns im Fachdeutsch, alles mitgenommen, was für die Lage, Lösung unter Umständen erforderlich sein könnte.
00:21:43: Das ist erstmal nicht viel.
00:21:45: Weil im Hubschrauber haben sie nicht viel Platz.
00:21:47: Das heißt, das ist dann die persönliche Schutzausstattung.
00:21:50: Sehr viel Munition, Spezialgerät, was sie am Mann haben, in den unterschiedlichen Spezialisierungen.
00:21:57: Und dann geht das los.
00:21:58: Und das heißt, die Lage entwickelt sich dann, dann kommen immer mehr Infos im Laufe der Zeit.
00:22:02: Und sie müssen mit dem arbeiten, was man hat.
00:22:05: Wie sieht denn eigentlich so euer Training aus?
00:22:09: Wie beim Fußball oder so Standard-Situationen, die man einfach trainiert, wo man dann später das Flexibel sozusagen anwenden kann.
00:22:16: Ja, es gibt natürlich Standard-Taktik-Training, es gibt Standard-Schieß-Training, wir haben standardisiertes Einsatztraining.
00:22:25: Das trainieren alle Einheiten gleich, egal welche Spezialisierung sie verfolgen.
00:22:31: um dann halt genau auch in diesen Einsätzen, wo alle gefragt sind, den gleichen Wissensstand zu haben und den gleichen Trainingszustand.
00:22:37: So läuft auch unsere Woche ab.
00:22:40: Du warst jetzt wie beim Sport.
00:22:41: Da kann man jetzt sagen, da gibt es ein Trainingsplan.
00:22:43: Der ist immer durchgetaktet jeden Tag der Woche mit Schießtraining, Taktiktraining, Einsatztraining und noch ein paar Projektarbeiten.
00:22:51: Sport muss auch noch gemacht werden.
00:22:52: Und das arbeiten die Einheiten dann jede für sich ab, aber immer mit dem Hintergrund.
00:22:58: dass man auch zusammengelegt werden kann und dass man dann keiner großen Abstimmung bedarf.
00:23:02: Du hast eben erwähnt, dass auch im Auswahlverfahren schon psychologische Tests mit dabei sind, weil die mentale Stärke bei euch eine große Rolle spielt, weil ihr im Zweifel auch Dinge seht, die ein Mensch auch nicht sehen möchte.
00:23:14: Das muss natürlich auch vor Ort erst mal ertragen werden.
00:23:17: Man muss trotzdem funktionieren.
00:23:19: Aber auch im Nachklapp muss das irgendwie verarbeitet werden.
00:23:22: Gab es für dich persönlich so was oder wie geht ihr als Truppe insgesamt damit um?
00:23:27: Du hast jetzt so klassische Einsätze mit besonderen Belastungen in Form von besonderen Situationen wahrscheinlich.
00:23:36: Also Leichen sehen Blut, sehen menschliches Leid, sehen, ertragen müssen und trotzdem funktionieren in der Situation.
00:23:46: Ja, gibt es, gab es auch.
00:23:49: Wir haben hier verschiedene Methoden, auch hier mit der Vorbereitung.
00:23:53: Wir haben hier auch ständig Psychologen im Haus, die genau für solche Situationen versuchen, verschiedene Werkzeuge an die Hand zu geben im Rahmen unseres Human Performance Projektes.
00:24:04: Ich für meinen Teil persönlich muss sagen, ich kann das immer sehr gut trennen.
00:24:08: Ja, ich bin jetzt privat keiner, muss ich auch ganz klar zugeben.
00:24:12: Wenn ich ein Liter Blut sehe, was irgendwo aus einer Ofen eine Wunde klappt, dann setze ich mich auch erst mal hin.
00:24:17: Beruflich habe ich da überhaupt gar keine Aktien drin.
00:24:20: Das ist mir komplett egal.
00:24:22: Da habe ich ganz andere Sachen im Kopf.
00:24:24: Das kann ich sehr gut voneinander trennen.
00:24:28: Natürlich machst du es dann so, wenn du Auslandseinsätze hattest.
00:24:32: Dann gibt es danach immer mit dem Team so eine gewisse Nachbereitung, die kann mal einen Tag dauern, gehen nach Bedarf oder dauert mal eine Woche, wo man sich dann einfach mal zusammensetzt, Dinge bespricht.
00:24:43: Und wenn da noch was hochkommt, dann kann man da auch noch mal länger in Beratung gehen, in Gespräche gehen, mit Fachleuten.
00:24:51: Aber auch hier muss ich sagen, ist es so, dass die Kameradschaft untereinander und dieses Vertrauensverhältnis untereinander ein so großes ist, dass vieles vorher schon abgeschöpft werden kann.
00:25:03: Das wird direkt angesprochen, weil man da keine Geheimnisse oder man hat keine Angst, sich zu genieren vor irgendwem.
00:25:09: Sondern man spricht das direkt an in der Hoffnung, dass der andere das genauso sieht.
00:25:13: Dann hat man zumindest einen Verbündeten und man kann das bearbeiten.
00:25:15: Und wenn nicht, haben die Jungs und Mädels dann doch immer ein offenes Ohr, wo man das besprechen kann.
00:25:20: Du hast gerade von einem... psychologischen Werkzeugkoffer gesprochen.
00:25:24: Was sind denn so Tricks in so einem Einsatz?
00:25:26: oder Tricks ist vielleicht das falsche Wort, aber Strategien um dann zu funktionieren.
00:25:31: Also wäre eine Strategie zum Beispiel die Emotionen in dem Augenblick ausschalten, weil man funktionieren muss.
00:25:37: oder was geben Psychologen euch mit auf den Weg?
00:25:41: Ja grundsätzlich gibt uns die GSG-IX schon was mit auf den Weg, weil ich sage mal wir sind trainiert Dinge zu tun.
00:25:47: Also deshalb haben wir uns auch für sowas beworben.
00:25:49: Das wird ja Im Optimalfall schon im Auswahlverfahren getestet, sind wir solchen Hochstresssituationen, wenn es darum geht, zum Beispiel auch unter Umständen, wenn es dem Einsatzziel zu grünsten ist, Menschenleben zu beenden, weil eine Rechtsgutgefährdung Leidleben für andere einfach zu groß ist.
00:26:10: Dazu muss man in der Lage sein.
00:26:12: Und das kriegen wir schon in einem Auswahlverfahren, wie gesagt getestet.
00:26:17: Und in der Ausbildung dann selber kriegen wir da auch schon verschiedene Werkzeuge an die Hand.
00:26:23: Das heißt, im Optimalfall ist es so, dass wir dadurch, dass wir auf den Einsatz so fokussiert sind, dass das während des Einsatzes gar keine Rolle spielt.
00:26:33: Das bekommen wir auch immer als Feedback.
00:26:36: Sobald hier verschiedene Stichworte laufen bei uns, das Ganze läuft ja auch hier Behörde.
00:26:43: Wir arbeiten ganz viel mit Spitznamen, mit Kürzeln und so weiter.
00:26:48: dann läuft ein Programm ab, was natürlich jetzt nicht stumpf nach Schema F ist, sondern flexibel, aber da arbeitet man einfach Dinge ab und man distanziert sich dann einfach.
00:26:59: Man löst sich quasi von der Privatperson des Beamten, jetzt in dem Fall Bob meintet wegen, und kann das so abarbeiten.
00:27:09: Das funktioniert in der Regel, das funktioniert auch in der Extremsituation.
00:27:14: Wenn das natürlich nicht funktionieren sollte im Einsatzfall, das ist ja der Worst Case unter Umständen, wenn er jetzt auch einmal gesagt wird, ich kann hier jetzt nicht weiterlaufen, ich habe Angst, das kann ja natürlich sein.
00:27:23: Wir sind auch nicht angstfrei in einem Einsatz.
00:27:25: Angst hilft uns sehr, Dinge sehr gut zu beurteilen, uns sehr gut zu konzentrieren.
00:27:31: Es ist ein sehr guter Begleiter bis zu einem gewissen Maß, weil sie kann auch lähmend sein.
00:27:36: Und das fängt eigentlich durch die Kameradschaft untereinander im Team sehr gut solche Tendenzen auf.
00:27:44: Und dann müssen wir leider sehen, dass wir das dann klar ansprechen, auch im Einsatzfall.
00:27:50: Wenn ich jetzt zum Beispiel nicht mehr durch die nächste Tür gehen kann, dann lasse ich mich automatisch nach hinten fallen, dann weiß aber derjenige auch okay, da ist jetzt irgendwas, dann gehe ich jetzt weiter.
00:27:58: Im Einsatzfall hat das da nichts mehr zu suchen, diese Werkzeuge, also müssen wir auch tatsächlich abarbeiten.
00:28:05: Die Aufgabe oder die Arbeit fängt dann nach dem Einsatz an, wo wir dann Da hilft einfach Kommunikation in den Dialog gehen.
00:28:12: Und da bin ich jetzt aber auch kein Psychologe, weil ich jetzt auch noch nie die Situation hatte, wo ich den Bedarf hatte, muss ich zugeben, um da zu sagen, okay, da macht man A, B und C. Das ist bei jedem auch höchst individuell.
00:28:24: Aber gibt es das tatsächlich, dass Kollegen von dir auch tatsächlich nach einem Einsatz gesagt haben, das war, ich hatte Angst, ich kann nicht mehr oder das ist nicht mehr meins.
00:28:33: Passiert sowas auch?
00:28:36: Ja, gab es auch schon.
00:28:38: Was dann aber auch sehr konsequent ist, ist natürlich dann schade, die im Nachgang eines Auslandseinsatzes dann gesagt haben, okay, das war es für mich.
00:28:48: Ich bin hier nicht mehr richtig in Anführungsstrichen und haben dann dementsprechend auch die Konsequenzen gezogen, den Verband verlassen und dann eine andere Tätigkeit in der Bundespolizei wahrgenommen.
00:29:00: was ich für eine sehr, sehr große Geste handle, weil das muss man sich selbst erst mal eingestehen, dass man sagt, okay, irgendwie kann ich das jetzt nicht mehr, dann auch die dementsprechenden Schritte einzuleiten, als sich dann irgendwie so... mehr schlecht als recht irgendwie zu verstecken, weil das ist dann auch eher schlecht für das Gesamtsystem.
00:29:21: Und das ist schon eine sehr große Entscheidung und da muss man schon Respekt vorhaben.
00:29:27: Du hast eben erwähnt, dass im Einsatz in manchen Sekunden musst du vielleicht dein Ego sozusagen einfach mal ein bisschen zurücknehmen und umfunktionieren zu können.
00:29:36: Aber was macht eigentlich dein Job mit dir als Privatperson.
00:29:40: Das würde mich mal interessieren.
00:29:41: Du bist ja ultra-sharp im Denken.
00:29:45: Du bist total organisiert.
00:29:47: Wie ist eigentlich dein Alltag?
00:29:48: Bist du als Mensch
00:29:50: im Alltag?
00:29:50: Da musst du mal meine Freundin fragen, ob ich sehr gut organisiert bin.
00:29:55: Was würde die denn sagen?
00:29:56: Dass ich privat eigentlich eher unorganisiert bin und schlecht mit Terminen einhalten bin.
00:30:03: Hat sie ein bisschen recht.
00:30:06: Ich verbeimteile, ich kann das sehr gut trennen, offensichtlich, wie bereits gerade beschrieben.
00:30:12: Nein, natürlich merkt man schon oder ich merke, dass, wenn ich jetzt phasenweise mal durch die Stadt gehe oder sonst irgendwas, ich beurteile Menschen anders, die mir entgegen kommen, mir fallen Fahrzeuge auf, die sich ungewöhnlich bewegen.
00:30:31: Ich glaube, was aber viele haben, ich habe im Restaurant gerne die Wand im Rücken, dass ich den ganzen Raum sehe.
00:30:37: Aber das ist jetzt, glaube ich, nicht speziell, das geht vielen so.
00:30:40: Aber es ist schon so, dass ich jetzt gerade, wenn ich durch die Stadt laufe oder sonst irgendwas mache, dann schon mein Umfeld sehr genau bewährte und beurteile, was da sein könnte.
00:30:51: Nicht so, dass das jetzt in Stress ausartet, sondern es ist ein Automatismus.
00:30:54: Aber
00:30:54: kannst du mal ein Beispiel geben?
00:30:56: Also du siehst, jemand ist nervös.
00:30:58: oder so, oder dann würdest du was denken?
00:31:03: Ja, also ganz klassisches Szenerie.
00:31:08: Ich sehe einen Menschen mit Rucksack sehr auffällig von links nach rechts streuen, offenbar ziellos.
00:31:16: Und dann gucke ich mir an, wie wirkt diese Person, wo ich mir dann denke, so, okay, was könnte das jetzt für einer sein?
00:31:23: Der hat erstmal meine Aufmerksamkeit.
00:31:26: In der Regel ergibt sich das dann ja dann hoffentlich.
00:31:30: In den meisten Fällen ist es auch so.
00:31:31: Aber gab es tatsächlich schon mal eine Situation, wo du privat davon profitieren konntest bzw.
00:31:36: dann auch handeln musstest?
00:31:40: Ja, was heißt ja, aber das ist dann eher Zufall.
00:31:42: Da muss man dann sagen, wenn dann ein Taschendieb auf frischer Tat ertappt wird, das ist reiner Zufall.
00:31:49: Natürlich dann handelst du.
00:31:51: Aber jetzt sage ich jetzt vor dem Hintergrund meines Tätigkeitsfeldes zum Glück nicht.
00:31:58: Nichtsdestotrotz kann man sich davon nicht lösen.
00:32:00: Also du nimmst immer schon so ein bisschen mit ins Privatleben, weil du ja auch trainiert bist, Situation ständig neu zu bewerten.
00:32:08: Auch wir trainieren das ja, unsere Ausbilder oder Fortbilder dann später in den Einsatzeinheiten, die wir trainieren ja, ständig neues Genarien und ständig neue Lage, Bewertung und die richtigen Entschlüsse zu treffen.
00:32:20: Und das nimmst du natürlich auch mit ins Privatleben.
00:32:23: Das kommt dann auch schon, dass wenn du dann, was weiß ich, wenn ein Auto mit nicht ortsansässigem Kennzeichen etwas zu lange vor einem Objekt steht, wo du sagst, okay, das war gestern noch nicht da, das ist heute immer noch da.
00:32:35: Warum ist das da?
00:32:37: Das sind aber Kleinigkeiten.
00:32:39: Aber
00:32:39: kommt es dann auch vor, dass deine Freundin sagt, Bob, entspann dich mal?
00:32:43: Das sagt meistens nur beim Autofahrt.
00:32:48: Ja, aber eigentlich, da geht's.
00:32:50: Sie überlässt mir zum Beispiel schon immer den Stuhl, dass ich die Wand im Rücken habe.
00:32:54: Da ist sie sehr gnädig.
00:32:58: Grundsätzlich geht's eigentlich.
00:33:01: Es gibt Phasen, wo ich vielleicht ein bisschen übersensibel bin.
00:33:04: Wo sie dann schon sagt, komm, jetzt gehen wir erst mal einen Kaffee trinken.
00:33:08: Aber das ist höchst selten.
00:33:09: Aber gibt es das trotzdem, dass du bei deinem Job, wo du immer... Alert sein musst du immer tatsächlich geistig sehr scharf sein musst.
00:33:19: und so gibt es auch Momente wo du selbst merkst dass du jetzt zur eigenen Regeneration der Psyche und des Körpers tatsächlich auch meine Auszeit brauchst von dem Ganzen wo du einfach mal das Wort GSG neun einfach nicht mehr hören willst.
00:33:36: Schwierig, also ich merke schon wenn ich Urlaubsreif bin.
00:33:40: Das weiß ich sehr genau, dann bevorzuge ich auch tatsächlich stille und auch möglichst weit weg.
00:33:45: Wenig Menschen eigentlich im Prinzip.
00:33:48: mir reichen Berge und Schnee, um dann dort für mich zu sein, um dann wirklich mal abschalten zu können.
00:33:56: Ich bin trotzdem gerne tatsächlich auch aus meiner inneren Motivation heraus immer erreichbar für die GSG-Neuen.
00:34:04: Aber da achtet die GSG-None schon selber darauf, dass wenn die Leute Urlaub haben, dann auch im Urlaub bleiben, dass auch zwischen der ganzen Anspannung eine gewisse Entspannung ist, weil wenn wir die ganze Zeit immer nur hochtourig laufen, dann funktionieren wir da nicht mehr so lange.
00:34:18: Ist wie mit dem Auto auch, wenn sie ständig im Hochdrehzahlbereich fahren, dann geht der Motor irgendwann kaputt und damit ist Kreim geholfen.
00:34:26: Das wertvollste Gut bei der GSG-None sind die Leute.
00:34:29: Das sind nicht die Fahrzeuge, das sind nicht die Waffen.
00:34:31: Das sind die Leute, die das Ganze bedienen.
00:34:33: und darf versucht man schon da bestmöglichen Ausgleich zu schaffen in Form von Freizeit.
00:34:39: Gelingt nicht immer, muss man auch ganz klar sagen.
00:34:41: Aber der große Luxus, den wir hier haben bei der GSG-Neunis, wir müssen die Leute nicht motivieren zu kommen zum Dienst oder zum Einsatz, sondern wir sind teilweise ja damit befasst, dass wir die Leute den erklären müssen, warum sie jetzt nicht mitkommen können.
00:34:55: So hoch ist die Motivationslage.
00:34:56: Das heißt, wir müssen hier eher oftmals zu sehen, dass wir die Leute sagen, pass auf, jetzt ist mal gut, jetzt machst du mal deinen Urlaub und machst mal frei, dienst ausgleichswoche oder sonst irgendwas, weil die Leute sonst in diesem Hamsterrad immer weitermachen, weil sie auch weitermachen wollen.
00:35:12: Wenn es jetzt junge Leute gibt, die uns gerade zuhören, was würdest du denen sagen, warum es eine richtig gute Idee ist, zur GSG IX zu kommen?
00:35:22: Wir haben es ja, glaube ich, im Eingang des Gesprächs schon mal gehört.
00:35:28: In der Sicherheitsstruktur Deutschlands kommt erst mal nichts mehr.
00:35:32: Das heißt, man wird hier mit einer Verantwortung betraut und eine Aufgabe, die einzigartig ist.
00:35:39: Alleine das lohnt sich schon.
00:35:42: Für mich, ich bin jetzt auch schon sehr lange dabei mittlerweile, ist es der Umgang untereinander hier, die Kameradschaft, das Miteinander, das Arbeiten.
00:35:53: Also du hast bis umgeben von Menschen, die du ... Im Optimalfall super gut leiden kannst, aber wo du auf jeden Fall immer weißt, mit denen kannst du ein Hundert Prozent arbeiten.
00:36:02: Und dieses Vertrauensverhältnis untereinander ist mit nichts zu vergleichen und meiner Meinung nach einzigartig.
00:36:09: Und dafür lohnt sich jeder Tag im Auswahlverfahren, jeder Tag in der HE, wo man zweifelt, wo man Schweiß fließen muss oder fließen lässt.
00:36:20: Das lohnt sich zu ein Hundert Prozent.
00:36:22: Ich höre, du bist mit ganzem Herzen dabei und ich danke dir von ganzem Herzen für dieses Gespräch.
00:36:27: Vielen Dank, Bob.
00:36:28: Ja, sehr gerne.
00:36:29: Wenn
00:36:29: ihr noch mehr über die GSG-Neuen erfahren wollt, ab dem ersten Dezember gibt es die Serie Insights GSG-Neuen kostenfrei auf Join.
00:36:38: Viel Spaß beim Anschauen.
00:36:39: Ich bin Stefan Goethe.
00:36:40: Bis bald.
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